Portrait von Phoenix Holzfenster

Firma stieg wie Phoenix aus der Asche

Mitarbeiter beteiligten sich am Unternehmen

Dass in den ehemaligen Schalltherm-Hallen die Produktion wieder läuft, haben die Mitarbeiter ihrem eigenen Mut zum Risiko zu verdanken. Alle 27 Beschäftigten haben ihrem Arbeitgeber ein Darlehen als Einlage.

Der Name der jungen Firma ist Programm. "Phoenix Holzfenster" haben die Mitarbeiter ihr Unternehmen genannt. Und wie der berühmte Phönix aus der Asche entstand auch der 27-Mann-Betrieb aus den Trümmern der früheren Firma Schalltherm, die im November vergangenen Jahres Insolvenz anmelden musste. "Was blieb uns anderes übrig als die Flucht nach vorn?", fragt Albert Antemann, der frühere Produktionsleiter der Holzfensterabteilung. Mit seinen Kollegen Jürgen Tebbe und Volker Glasner, die beide früher ebenfalls leitende Positionen im Unternehmen innehatten, bildet er die Geschäftsleitung, die den Neuanfang gewagt hat.
"Im Insolvenzverfahren zeichnete sich ab, dass wohl keine größere Firma als Käufer bei Schalltherm einsteigen würde", erinnert sich Antemann an die ganz dunklen Stunden in seiner beruflichen Laufbahn. Für die Mitarbeiter schien dies den sicheren Gang in die Arbeitslosigkeit zu bedeuten. "An einem Abend, an dem wir alle zusammengesessen haben, ist dann die verrückte Idee geboren, dass wir die Firma neu gründen könnten, wenn alle Mitarbeiter sich bereit erklären ein Darlehen als Einlage zu geben.", berichtet Volker Glasner.

Und das kühne Vorhaben gelang. Alle 27 Beschäftigten stiegen mit einer bestimmten Summe ein, so dass die Maschinen und der Fuhrpark aus der Insolvenzmasse heraus gekauft werden konnten. Auch mit dem neuen Besitzer des Betriebsgeländes konnte eine Einigung erzielt werden, so dass "Phoenix" zwei Produktionshallen anmietete.
"Seit dem 3. April läuft die Produktion wieder", freut sich Antemann, dass der nicht einfache Kraftakt gelungen ist. "Gerade am Anfang sind wie auf viele Schwierigkeiten gestoßen", sagt er. Ihnen fest zur Seite gestanden hätten allerdings die Agentur für Arbeit und der Steuerberater Hans Döcker, der mit seinen Kontakten den Jungunternehmern einige Türen öffnete. "Schließlich haben sich alle Probleme in Wohlgefallen aufgelöst, so dass der Betrieb heute läuft", meint Antemann.

Die Geschäftsführung der Firma "Phoenix Holzfenster": (v. l.) Albert Antemann, Jürgen Tebbe und Volker Glasner.

Zum Glück habe man auf den alten Kundenstamm der Firma Schalltherm zurückgreifen können, die man mit der guten Qualität der Arbeit überzeugt habe. "Wir sind noch einen Tacken besser geworden als die ohnehin schon gute Qualität von Schalltherm", verweist der Geschäftsführer auf eine hochmotivierte Mannschaft. "Bei uns guckt im Moment keiner auf die Uhr, weil wir die Stunden ohnehin nicht zählen könnten", fügt er hinzu.

Mittelfristiges Ziel der Firma Phoenix, die sich im Moment im wesentlichen auf den Bau von Holzfenstern konzentriert, sei es, wieder personell zu wachsen. "Wir produzieren im Moment mit der angesichts der Größe der Produktionsanlagen kleinstmöglichen Mannschaft", erläutert Antemann. Die Kapazitäten in den beiden Produktionshallen seien so bemessen, dass noch reichlich Platz für zusätzliche Arbeitskräfte ist. "Aber wir müssen unsere Fenster ja zunächst auf dem umkämpften Markt verkaufen", betont Glasner. Die Vorgängerfirma Schalltherm hatte zu Spitzenzeiten während der 90er-Jahre rund 250 Mitarbeiter. Damit das jetzt gesundgeschrumpfte Nachfolgeunternehmen überleben kann, braucht es einen Umsatz von etwa 2,5 Millionen Euro.

 

Auszug aus der Rheiner Volksblatt vom 13. Mai 2006